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Trockenmauer

Stein auf Stein im Safiental

Mauern trennen. Mauern verbergen. Mauern schotten ab. Nicht so im Safiental im Naturpark Beverin. Ganz im Gegenteil. Dort werden Trockenmauern gebaut, die Brücken schlagen – sozusagen! Stein auf Stein im Safiental Es ist die beeindruckende und urtümliche Kultur- und Naturlandschaft, die das Safiental bis heute prägt, – zerklüftete Berge, tiefe Schluchten, das satte Grün der Wiesen, die sonnengebrannten Walserhäuser und «Gaden», weit verstreut und wie zufällig platziert. Dazwischen grast das Vieh; an den Steilhängen sind es die waghalsigen Ziegen, sie ignorieren stoisch Weidezäune und Trockenmauern. Die zeichnen lange Linien ins Landschaftsbild. Sie sind mal Weideabgrenzung, mal Wind- und Lawinenschutz, mal Stützmauer, um Steilhänge zu trassieren – und immer Lebensraum von unzähligen Tier- und Pflanzenarten. Sie sind auch die Welt von Flurin Stoffel. Seit gut zehn Jahren baut der Sohn eines Bündner Bergbauern hauptberuflich Trockenmauern, ab 2013 in enger Zusammenarbeit mit dem Naturpark Beverin, für dessen Freiwilligenarbeitseinsätze er verantwortlich ist. «Seither haben wir 1500 m² Trockensteinmauern im ganzen Parkperimeter wiederaufgebaut oder neu errichtet», ist Flurin stolz. Viele dieser Mauern stünden im Safiental. Im Interview erzählt Flurin, weshalb seine Mauern nie Wege versperren, sondern Türen öffnen und was seine Arbeit der Natur und den Menschen bringt.

Trockenmauer bauen

Interview mit Flurin Stoffel

Trockenmauer bauen

Interview mit Flurin Stoffel

Flurin, du baust seit über einem Jahrzehnt Trockenmauern, was fasziniert dich daran?

Das Trockenmauern hat eine lange Tradition in unseren Tälern. Die Mauern bieten Schutz vor Naturgewalten und sind gleichzeitig ein wichtiger Lebensraum für viele Kleinlebewesen. Trotzdem kennen das alte Handwerk nicht mehr viele. Es ist mir wichtig, dass es nicht ganz verloren geht!

Gibst du deshalb dein Wissen als Arbeitseinsatzleiter des Naturpark Beverin weiter? 

Klar, – jedenfalls auch! Und ich liebe es, in der Natur zu sein und mit Menschen zusammenzuarbeiten; zu spüren, was sich für eine Gruppendynamik entwickelt. Gemeinsam nur mit Muskelkraft etwas so Beständiges wie eine Trockenmauer zu schaffen, das macht nämlich etwas mit den Menschen. Es verbindet sie, rückt ihre Welten ein Stück näher zusammen! 

Wie meinst du das? Ihr baut ja schliesslich Mauern und keine Brücken. 

Mauern, die Brücken schlagen. Durch die Freiwilligeneinsätze finden Menschen zusammen, die sich sonst wohl nicht so schnell begegnen würden. Da trifft der angehende Zürcher Wirtschaftsstudent auf den gestandenen Bergbauern, der Banker auf die Biologin und der Telekommunikationslehrling auf ein Funkloch – und es passt! Das liegt am gemeinsamen Ziel. Alle ziehen an einem Strang – oder besser: stapeln an einer Trockenmauer. So geht echte Teambildung!

Und was ist dabei deine Funktion als Einsatzleiter? 

Natürlich bin ich da, um den Teilnehmenden die Arbeitsschritte zu zeigen und sie beim Bau anzuleiten und zu unterstützen, – aber meine eigentliche Arbeit fängt viel früher an und geht weit darüber hinaus: Ich bin im Perimeter des Naturparks aufgewachsen, kenne praktisch jeden Winkel davon
und weiss wie seine Menschen ticken. Die Landwirte müssen mir voll vertrauen können, wenn ich auf ihrem Land mauere – und umgekehrt ist es genauso! Ohne diese gute Vertrauensbasis und die grossartige Zusammenarbeit mit den Einheimischen wären Freiwilligeneinsätze nur bedingt möglich. Meine Arbeit hat also auch viel mit Vertrauensaufbau, Information und Organisation zu tun. 

Wie sieht eigentlich so ein Arbeitstag für die Freiwilligen aus? 

Der startet hoffentlich mit einem guten Frühstück. Dann gehen wir gemeinsam ans Werk, holen Steine aus dem Bachbett, mauern, plaudern. Mittagessen gibt es direkt vor Ort. Oft ist es so, dass die Landwirtfamilie für das Essen sorgt, – dann fällt es immer Währschaft, üppig und regional aus. Genauso wie es sein soll! Am Nachmittag wird wieder weitergearbeitet. Mir ist es wichtig, die Freiwilligen motiviert und bei Laune zu halten. Schliesslich soll es für sie ein positives Erlebnis bleiben. Gerade mit Schulklassen mache ich auch schon mal früher Feierabend und zeige den Jugendlichen das Tal; gehe mit ihnen Wildtiere beobachten. 

Letzte Frage: Wie lange hält so eine Trockenmauer eigentlich?

Ich lege sehr viel Wert auf gute Qualität und bin stolz darauf, diese auch zu erreichen. Selbst mit Schulklassen bekommen wir ein so gutes Resultat hin, dass ich auf «meine» Mauern ganze hundert Jahre Garantie gebe! Versprochen!